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Länderkurzbericht Mexiko 2008

Gewalt gegen Frauen

Die Frauenmorde von Ciudad Juárez sind nur ein Symptom für das nationale Phänomen von Frauenhass, Unterdrückung von und Gewalt gegen Frauen sowie Verschwindenlassen und Frauenhandel. Unter diesem Vorbehalt müssen die Verhältnisse in Ciudad Juárez immer wieder thematisiert werden. Seit Jahresanfang 2008 werden dort vier Frauen vermisst. Das Verschwinden der 15jährigen Schülerin Adriana Sarmiento Enriquez, am 18. Januar 2008, nahm AI zum Anlass, um auf die Gesamtproblematik noch einmal ausdrücklich hinzuweisen. An der Südgrenze zu Guatemala finden die rechtsfreien Räume an der Nordgrenze ihre traurige Entsprechung. In dem zentral gelegenen, kleinen Bundesstaat Tlaxcala (u.a. Weltmarktfabriken für Textilindustrie) verschwinden vermehrt junge Frauen - entweder spurlos, oder sie finden sich gelegentlich auf dem internationalen Markt der Prostitution wieder.

Neben häuslicher Gewalt gegen Frauen sind v.a. Soldaten und Polizisten an diesen Gewalttaten beteiligt. Amnesty International hat zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Frauen, vornehmlich Angehörige indigener Gemeinden, von Soldaten vergewaltigt worden sind. In den meisten Fällen leiteten die Militärbehörden die Ermittlungen und den Tätern wurde Straffreiheit zugesichert.

Als ein besonders schwerwiegendes Ereignis von Polizeiübergriffen galt die Operation in der Ortschaft San Salvador Atenco (nahe Mexiko-Stadt), wo im Zuge der Niederschlagung eines Protestes von BlumenverkäuferInnen am 3. und 4. Mai 2006 47 Frauen festgenommen und in das Gefängnis von Toluca gebracht wurden. 26 der Frauen gaben gegenüber der staatlichen Menschenrechtskommission an, während des zweistündigen Transports von Polizeibeamten sexuell missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein. Zwei Jahre danach wird nach wie vor nur gegen sechs Polizisten wegen geringfügiger Vergehen ermittelt. Keiner von ihnen wurde des Delikts der Folter angeklagt, das die Schwere der begangenen Rechtsverletzungen widerspiegelt. Magdalena García Durán gehört zu jenen Frauen, die ohne Anklage 18 Monate in Haft gehalten und erst aufgrund massiven internationalen Drucks und einer AI-Postkartenaktion am 9. November 2007 wieder freigelassen wurde. Rehabilitiert wurde keine der Frauen (vgl. die Internet-Aktion http://www.alzatuvoz.org u.a. in deutscher Übersetzung).

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